Seeing is believing - or is it?
16 10 2007In letzter Zeit wurde ich des öfteren mit einem Phänomen konfrontiert, das ich die “Sehen = Glauben-Falle” nenne.
Der angelsächsische Volksmund sagt, dass seeing gleich believing ist. Erst wenn ich etwas sehe, glaube ich es auch. Und manchmal mag genau das auch tatsächlich der Fall sein. Ich sehe aber, dass zu viele Menschen genau in diese Richtung denken und den Umkehrschluss überhaupt nicht sehen: Glauben ist gleich sehen!
Wir sehen, was wir glauben. Wir erkennen das, woran wir ohnehin schon glauben.
Zum Beispiel bin ich kein großer Gläubiger des Lebenskonzepts “Ehe”. Ich respektiere Menschen, die dieses Lebenskonzept für sich als gut einschätzen und die entsprechenden Konsequenzen tragen. Da ich aber selbst nicht an dieses Konzept glaube, sehe ich quasi natürlicherweise nur Ehekrisen, gescheiterte Beziehungen, zerrüttete Familien. Überraschend? Überhaupt nicht!
Wenn wir uns selbstkritisch reflektieren, kann möglicherweise jeder von uns solche Beispiele in Hülle und Fülle bei sich finden. Wir sehen gerade das, was eh’ schon unsere Sicht der Welt bestätigt.
Und wenn man schon an so ein Thema denkt, läuft einem natürlich genau ein entsprechender Artikel vor die Linse, der die eigenen Gedanken bestätigt. Marcia L. Conner tat mir den gefallen auf Fastcompany.com und nennt ihren Artikel auch noch passenderweise “The Seeing/Believing Gap“. Sie detailiert das Thema noch etwas und warnt uns vor spezifischen Mustern, die ich allerdings nicht alle nachvollziehen kann. Die zwei Wichtigsten aus meiner Sicht sind:
- Hinter bestehende KATEGORIEN sehen (z.B. “Ehe/Familie” und was ich damit verbinde)
- Hinter eigene ANNAHMEN sehen (das ist in der Tat etwas, was ich in praktisch jedem Seminar den Teilnehmern mitgebe: Wir alle treffen Annahmen. Ständig. Seien Sie bitte nur auf der Hut und überprüfen Sie diese! Ist dieser Mensch wirklich so? Oder glaube ich nur, dass langhaarige, unrasierte Typen XY sind?)